Es gibt nichts zu feiern!

Redebeitrag bei der Ladenschluss! Demonstration am 03.10.2007

Heute ist der 3. Oktober, Tag der deutschen Einheit und Deutschland feiert sich. Nur ein paar Meter von hier klopfen sich die friedlichen Revolutionär_innen auf die Schultern und beglückwünschen sich dazu, dass ihr Mut und ihre Beharrlichkeit das einig Vaterland herbeigeführt hat.

Für uns ist klar: Es gibt hier nichts zu feiern! Die NPD in mehreren Landtagen, d.h. an den Geld-Vergabe-Stellen, rassistische Hetzen auf den Dörfern und eine Normalbevölkerung, die froh ist, wieder stolz sein zu dürfen auf IHRE Stadt und IHR Land.

Leipzig behauptet ausdauernd und besonders gern von sich, anders zu sein, eine Oase im braunen Sachsen. Weltoffenheit und Toleranz seien die Eigenschaften, die Leipzig auszeichneten, als ultimativer Beweis muss immer wieder und bis zum Erbrechen die Fußballweltmeisterschaft herhalten. Das nationale Konkurrenzspektakel, bei dem für einige Wochen im schwarz-rot-goldenen Taumel auch Menschen aus anderen Ländern zu Gast sein durften, ist vorbei und man zehrt von der regionalen und nationalen Imageverbesserung, die es bewirkte. Vorbei ist auch die erhöhte Aufmerksamkeit für rassistische Übergriffe und deren öffentliche Verurteilung. Und wie es hier wirklich aussieht, kümmert nur noch die linken Störenfriede.

Die letzten Nazi-Aufmärsche waren recht erfolglos in Leipzig, und an diesen Tagen waren auch die Parteien und die Bürger-innen eifrig dabei, ihr Gesicht zu zeigen um sich als ach-so-antifaschistisch zu profilieren. Kaum sind die Kamerad_innen wieder in ihre Busse und Züge gestiegen, gilt die braune Gefahr als abgewendet. Neonazis werden wahrgenommen als Bedrohung von außen und als Erfolg gilt, wenn diese "Eindringlinge" wieder aus dem Blickfeld verschwinden. Dann kann man sich wieder zurücklehnen, mit beruhigtem Gewissen ob seiner erfüllten demokratischen Pflicht und zurückkehren zum Alltag. Doch der ist auch in Leipzig - welche Überraschung - alles andere als nicht rassistisch oder gar liberal, sondern normal deutsch! In Leipzig etablieren sich faschistische Strukturen, von denen der Thor-Steinar-Laden, das Underground und die Aryan Brotherhood in Mockau nur die berühmte Spitze des Eisbergs sind. Die NPD organisiert Veranstaltungen mit so illustren Titeln wie "Das deutsche Volk im Fadenkreuz -3000 Jahre Antigermanismus", Neonazis gehören zum Stadtbild wie die Faust aufs Auge. Und die so genannte Normalbevölkerung mag zwar Nazis nicht, ist aber genauso antisemitisch und rassistisch.

Im Osten und im Westen der Stadt gibt es schon seit Ewigkeiten NoGoAreas, in denen faschistische Gewalt an der Tagesordnung ist. Migrant_innen und solche, die dafür gehalten werden, sowie nicht-rechte Jugendliche sind permanenter Bedrohung ausgesetzt, die häufiger in physische Gewalt umschlägt, als ein Stadtrat sich träumen lässt. Seit langer Zeit machen antifaschistische Gruppen darauf aufmerksam. Anstatt dass diese Situation thematisiert und angegangen wird, rührt sich in der Stadtverwaltung kein Finger, solange man wegsehen kann - und schlimmer noch: Jugendliche, die den rechten Konsens durchbrechen wollen und sich wehren, werden kriminalisiert! Sie sind offensichtlich nicht erwünscht und werden als Ursache für den Unfrieden ausgemacht. Sie sind diejenigen, die sich unsichtbar machen sollen. Und die wie in Grünau lieber mit Nazis gemeinsam im Jugendclub abhängen sollen als ein antirassistisches Jugendzentrum aufzubauen.

Die Leipziger Freiheit ist Freiheit für Leute, die die Klappe halten. Toleranz wird in Leipzig vor allem gegenüber rechter Dominanzkultur geübt und Weltoffenheit ist das Label, mit dem sich die Provinz gern schmückt, solange es um Tourist_innen und Fußballspieler geht.

 

Wir sagen: Packt die Deutschlandfahnen wieder ein! Kein Nationalstolz nirgendwo - nicht in der Nikolaikirche und nicht im Tonsberg-Laden! Nie wieder Deutschland!

AFBL Antifaschistischer Frauenblock Leipzig Oktober 2007