Workshop in Leipzig am 23. Februar 2014

(Queer-) Feministische Perspektiven auf Islam und Geschlechterordnung

Der Islam ist bisher in der linken Diskussion in Deutschland kaum ein Thema. Vielmehr geht es Vielen um eine Kritik an Diskursen, die die Labels Islamkritik und (Queer-)Feminismus nutzen, um ihren Rassismus und Nationalismus zu legitimieren. Doch ist damit zum Islam alles gesagt? Von anderen Seiten wird nämlich eben dieser postmodernen Beschränkung auf die Kritik am Eigenen vorgeworfen, noch vor der eignen Haustüre ignorant gegenüber den Menschenrechtsverletzungen im Namen des Islam zu sein und letztlich als Legitimation für die Aufrechterhaltung der rigiden islamischen Geschlechterverhältnisse zu dienen.

Nur um es vorweg zu sagen: Auch dies soll kein Workshop über den Islam werden, und auch keiner, der sich mit der Geschlechterordnung im Islam befasst. Ziel ist vielmehr, anhand exemplarischer Textbeispiele zu diskutieren, welche Perspektive die verschiedenen Autorinnen auf den Themenkomplex einnehmen und welche Möglichkeiten für eine emanzipatorische Praxis dies zulässt. Diese Fragen wollen wir gemeinsam für vier verschiedene Positionen diskutieren:

Einer der Höhepunkte der Diskussion in Deutschland war wohl die Kritik Judith Butlers am Berliner Christopher Street Day 2010. In ihrem Buch „Raster des Krieges“ nähert sie sich dem Themenkomplex über die Kritik am liberalen, modernistischen Rahmen, der die Forderungen von queers und Muslimen erst gegensätzlich erscheinen lässt. Haideh Moghissi hingegen kritisiert in „Feminism and Islamic Fundamentalism“ schon 1999 den Trend des postmodernen Relativismus als einen fiktiven Radikalismus, der kulturelle Differenzen feiert und sich durch seine Ablehnung der Modernität für die reaktionärsten Ideen des islamischen Fundamentalismus anbietet. Christina von Braun und Bettina Matthes zeichnen in ihrem preisgekrönten Buch „Verschleierte Wirklichkeit“ Parallelen zwischen dem Geschlechterverhältnissen in Orient und Okzident. Seyran Ates hingegen thematisiert das islamische Frauenbild im Gegensatz zur westlichen Errungenschaft der Gleichberechtigung und kritisiert die unterschiedlichen Maßstäbe, die deutsche Feministinnen an sich und andere anlegen.

Wir wollen diese Positionen gemeinsam durchdenken und diskutieren. Dazu ist es wichtig, im Vorfeld ein paar kurze Texte zu lesen. Um vorherige Anmeldung bis 10. Februar wird gebeten. Sollten mehr Anmeldungen eingehen als Plätze zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden. Wenn es Bedarf gibt, bemühen wir uns um Kinderbetreuung während des Workshops. Bitte bei der Anmeldung das Alter der Kinder angeben.

Mehr Infos: http://www.conne-island.de/termin/nr4093.html